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Hellbach: Seit zehn Jahren abwasserfrei
© Rupert Oberhäuser/EGLV

Hellbach: Seit zehn Jahren abwasserfrei

Lesedauer: ca. 4 Min. | Text: _Redaktion _RDN

Im Mai 2016 erreichte die Emschergenossenschaft einen der wichtigsten Meilensteine bei der Revitalisierung des Recklinghäuser Gewässers.

Vor genau einem Jahrzehnt, im Mai 2016, erreichte der Hellbach in Recklinghausen als Teil des großen Emscher-Umbaus die Abwasserfreiheit. Als finalen Akt schloss die Emschergenossenschaft damals eine städtische Abwasserleitung an ihren neuen unterirdischen Hellbach-Abwasserkanal an. Die Bauzeit für das Kanalsystem auf einer Gesamtlänge von 8,9 Kilometern dauerte knapp acht Jahre. Unmittelbar danach folgte der Baustart für die ökologische Verbesserung des nun von Schmutzwasser befreiten Hellbachs. Auch der Breuskes Mühlenbach wurde als Teil des Hellbach-Systems renaturiert. Für die Abwasserfreiheit und die ökologische Verbesserung der Gewässer investierte die Emschergenossenschaft zirka 122 Millionen Euro. Heute ist die Revitalisierung zu idyllischen und naturnahen Gewässern deutlich sichtbar – nur noch auf einem Teilstück erinnern die berühmt-berüchtigten Betonsohlschalen des alten Hellbachs als Relikte der Industrialisierung an die einst offene Schmutzwasserabführung in der Region.

Gemeinsam mit dem Breuskes Mühlenbach bildet der Hellbach ein rund elf Kilometer langes Gewässernetz, das früher in das historische Abwassersystem der Emscher eingebunden war. Jahrzehntelang transportierten die Bäche Schmutzwasser offen durch das Stadtgebiet bis zur Mündung in die Emscher im Recklinghäuser Süden. Erst der große Emscher-Umbau machte auch die Rückkehr des Hellbach-Systems zum blaugrünen Gewässer möglich. Beide Bäche führen mittlerweile – genau wie die Emscher – sauberes Quell-, Grund- und Regenwasser.

Zentraler Baustein des Hellbach-Projektes war der Bau eines neuen unterirdischen Abwasserkanals, der im Mai 2016 vollständig in Betrieb genommen wurde. Der sogenannte Hellbach-Kanal mit einem Innendurchmesser von bis zu drei Metern übernimmt heute die Ableitung des Schmutzwassers. Die Bauarbeiten dauerten knapp acht Jahre und waren in mehrere Projektabschnitte gegliedert, in denen fünf neue unterirdische Stauraumkanäle verbaut und zusätzliche Entlastungsanlagen – beispielsweise in Form von Hochwasserrückhaltebecken – angelegt wurden. Insgesamt entstanden auf einer Länge von 8,9 Kilometern neue Kanäle, die das Schmutzwasser mittlerweile unterirdisch Richtung Abwasserkanal Emscher (AKE) und Kläranlage Bottrop führen. Allein in die Herstellung der Abwasserfreiheit durch Kanalbauten investierte die Emschergenossenschaft rund 100 Millionen Euro. Die Kosten für die städtischen Anschlüsse übernahm die Stadt Recklinghausen, die in die Planung und Umsetzung des gesamten Projektes eingebunden war.

Die Umsetzung stellte den Wasserwirtschaftsverband dabei vor besondere Herausforderungen: Der Hellbach verläuft durch dicht besiedelte Stadtgebiete, teilweise in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern, Gartenanlagen und Straßen. So mussten bereits in der Planung geeignete Vorgehensweisen erarbeitet werden, um die baulichen Maßnahmen an den Anforderungen des bestehenden Stadtraums anzupassen. Auch während der langjährigen Bauzeit waren eine enge Abstimmung zwischen Bauabläufen, Verkehrsführung sowie die regelmäßige Kommunikation mit Anwohnenden erforderlich. Für die Bevölkerung bedeuteten die Arbeiten zeitweise Einschränkungen durch Sperrungen und Baustellen, während zugleich ein großräumiges, ökologisch anspruchsvolles Infrastrukturprojekt Schritt für Schritt umgesetzt wurde.


Ökologische Verbesserung


Unmittelbar nach der Inbetriebnahme des Kanals begann die ökologische Verbesserung des Hellbachs. Teilweise war die Renaturierung des Breuskes Mühlenbachs sogar schon zuvor gestartet. Schritt für Schritt wurden die Gewässer aus ihrem Betonkorsett befreit, nach Möglichkeit aufgeweitet und naturnah umgestaltet. An einigen Stellen erhielt der Hellbach bis zu 25 Meter mehr Raum. Heute schlängelt er sich wieder in kleinen Kurven durch Recklinghausen und bietet deutlich mehr Aufenthaltsqualität für die Menschen vor Ort sowie für Flora und Fauna. In die ökologische Verbesserung des Hellbach-Systems, die im Sommer 2019 abgeschlossen wurde, investierte die Emschergenossenschaft rund 21,7 Millionen Euro. Insgesamt flossen damit etwa 122 Millionen Euro Baukosten in die Abwasserfreiheit und die Renaturierung der Gewässer.

Dass die Natur bereits an die Gewässer zurückgekehrt ist, zeigt der Blick auf die Artenvielfalt: In der Emscher leben heute wieder Forellen, Groppen und Stichlinge. Auch Eisvogel, Gebirgsstelze und die Blauflügelige Prachtlibelle sind an den Ufern des Hellbachs und anderer Nebengewässer heimisch geworden.


13.12.2018, Recklinghausen, Hellbach, ökologische Verbesserung von der BAB2 bis zur Dunantstraße LOS 1, hier Blick bachabwärts unterhalb der Brücke Baumstraße
13.12.2018, Recklinghausen, Hellbach, ökologische Verbesserung von der BAB2 bis zur Dunantstraße LOS 1, hier Blick bachabwärts unterhalb der Brücke Baumstraße
07.07,2023, Recklinghausen, Hellbach, ökologische Verbesserung, hier entlang der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule mit dem BLAUEN KLASSENZIMMER Blick bachaufwärts Richtung Theodor-Körner-Straße.
07.07,2023, Recklinghausen, Hellbach, ökologische Verbesserung, hier entlang der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule mit dem BLAUEN KLASSENZIMMER Blick bachaufwärts Richtung Theodor-Körner-Straße.
10.10.2023, Recklinghausen, Hellbach, ökologische Verbesserung, hier Blick bachaufwärts Richtung Brücke Baumstraße.
10.10.2023, Recklinghausen, Hellbach, ökologische Verbesserung, hier Blick bachaufwärts Richtung Brücke Baumstraße.
Das alte Hellbach-System: Der Breuskes Mühlenbach (re.) mündet in den Hellbach. Vor der Abwasserfreiheit und der Renaturierung dominierten Betonbauteile das technisch überformte und naturferne Gewässerbild.
Das alte Hellbach-System: Der Breuskes Mühlenbach (re.) mündet in den Hellbach. Vor der Abwasserfreiheit und der Renaturierung dominierten Betonbauteile das technisch überformte und naturferne Gewässerbild.
Die Kanalbauarbeiten am Hellbach waren die Grundvoraussetzung für die spätere Abwasserfreiheit. Zunächst mussten unterirdisch Betonrohre verlegt werden, in die das Schmutzwasser aus den Gewässern dann verbannt werden konnte. Auf dem Bild zu sehen ist die Einfahrt einer Vortriebsmaschine in eine Zielgrube
Die Kanalbauarbeiten am Hellbach waren die Grundvoraussetzung für die spätere Abwasserfreiheit. Zunächst mussten unterirdisch Betonrohre verlegt werden, in die das Schmutzwasser aus den Gewässern dann verbannt werden konnte. Auf dem Bild zu sehen ist die Einfahrt einer Vortriebsmaschine in eine Zielgrube


Den Hellbach erleben


Das Hellbach-Projekt stand auch im Interesse des Stadtgebietes: So stellte beispielsweise die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Recklinghausen der Emschergenossenschaft eine Fläche zur Verfügung, um dem Hellbach mehr Freiraum zu schaffen. Im Gegenzug baute der Wasserwirtschaftsverband im Rahmen einer Kooperation mit dem NRW-Städtebauministerium ein „Blaues Klassenzimmer“ für die Schülerinnen und Schüler vor Ort. Mit Sitzstufen am Gewässer und direktem Zugang vom Schulhof bietet es Schüler*innen und Lehrerkräften die Möglichkeit, anschaulichen Unterricht im Freien durchzuführen und sich aktiv mit dem Hellbach zu beschäftigen. Im Rahmen eines Mitmach-Projektes wurde es gemeinsam mit ihnen entwickelt und 2019 feierlich eingeweiht.

Um die neue blaugrüne Infrastruktur für die Menschen vor Ort erlebbar zu machen, öffnete die Emschergenossenschaft einige ihrer Betriebswege und baute sie zu neuen Abschnitten eines Fuß- und Radweges – den Hellbach-Weg – aus. Zusammen mit bestehenden Wegen der Stadt Recklinghausen entstand so eine neue Durchgängigkeit von der nördlichen Innenstadt bis zur Mündung des Bachs in die Emscher in Recklinghausen-Süd.

Heute erinnert nahe der Innenstadt nur noch ein kurzes Teilstück mit den typischen Betonsohlschalen an die Vergangenheit des Hellbachs als Schmutzwasserlauf. Auf rund 130 Metern ist die historische, geradlinige Gewässerführung des Hellbachs als Relikt der Industrialisierung erhalten geblieben. Der überwiegende Teil des Gewässers präsentiert sich jedoch inzwischen blaugrün und naturnah – ein sichtbares Symbol für den erfolgreichen Wandel des Emscher-Systems.

Info
Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV)

EMSCHERGENOSSENSCHAFT UND LIPPEVERBAND
Kronprinzenstr. 24
45128 Essen
www.eglv.de

 

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