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An apple a day
Foto: privat

An apple a day

Lesedauer: ca. 1 Min. | Text: Karoline Jankowski

Judith Oenning erzählt, wie Abnehmen zur Kontrolle wurde – und wie sie zurück zu einem gesünderen Umgang mit Essen und ihrem Körper fand.

Essen ist nie nur Essen. Es ist Energielieferant, tröstet nach miesen Tagen, macht Feiern gesellig und wird auf Social Media von Menschen mit Ringlicht, stabiler Darmflora und viel Meinung erklärt. Iss mehr Protein. Weniger Zucker. Clean. Intuitiv. Geregelt. Dabei beginnt unser Verhältnis dazu viel früher: in Routinen, im Teilen, im Beisammensein. Wer lernt, dass Essen Nähe, Genuss und Versorgung sein darf, startet anders als jemand, für den es Mittel zum Zweck oder Ventil ist.

Judith Oenning kennt beides. Sie hat 70 Kilo abgenommen, ohne Eingriff oder Spritze, sondern mit Kalorienzählen, Defizit und Disziplin. Theoretisch sauber, praktisch ziemlich tückisch. „Du siehst nicht mehr den Apfel oder die Scheibe Käse. Du siehst 60 Kalorien, 130 Kalorien und denkst: Shit, es ist erst Mittag, und ich hab schon 500 drin.“ Aus Struktur wurde Dogma, aus Genuss Risiko, aus Restaurantbesuchen Mathematik.

Der Körper wurde leichter, das Leben enger. „Rational war ich erfolgreich. Aber ich war so unglücklich.“ Kontrolle trägt gesellschaftlich gern das Kostüm von Disziplin, Übergewicht das von Faulheit. Beides ruft nach Hilfe. Spritzen oder Magen-OPs sieht sie kritisch, wenn Kopf, Ernährungswissen und Therapie fehlen. Der Körper lässt sich regulieren, das Mindset nicht.

Zurück in eine Normalität kam Judith über Menschen und Lernen. Freundinnen aßen mit ihr Pizza, vor der sie „richtig Angst“ hatte, weil die Kalorienzahl eingebrannt war. Ihr Partner etablierte feste gemeinsame Mahlzeiten. Heute zählt sie nicht mehr, wiegt sich nicht. Sie hört hin: Habe ich Hunger oder Stress? Brauche ich Pizza oder Ruhe? Sie achtet auf Ballaststoffe, Gemüse und Wertigkeit.

Bowls machen sie glücklich, ihr Körper auch. Er ist kein Gegner mehr, sondern Sparringspartner. „Ich bin absolut pro Gesundheit, nicht pro Aussehen.“

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